Winnetou im Film

Die Winnetou-Filme der 1960er Jahre
In den 1960er Jahren wurden viele Filme „frei nach May“ gedreht, in denen die Figur des „Winnetou“ ausschließlich von Pierre Brice dargestellt und teilweise deutlich anders angelegt wurde als in den Romanen. Diese Kinoaufführungen waren äußerst erfolgreich und es entstand ein regelrechter Kult um die Filmserie mit begleitendem Merchandising. Der Kinofilm „Winnetou“ mit der Musik von Martin Böttcher war nach „Der Schatz im Silbersee“ 1962 der erfolgreichste der Karl-May-Filme der 1960er-Jahre. Später wurden die Filme im Fernsehen unzählige Male wiederholt.
1962 begann der deutsche Filmproduzent Horst Wendlandt von der Rialto Film, unter der Regie von Harald Reinl die Produktion des populärsten Romans der grünen Karl-May-Bände filmisch umzusetzen: Der Schatz im Silbersee. Die Filmmusik des deutschen Komponisten Martin Böttcher für diesen Film wurde prägend für die weiteren Karl-May-Verfilmungen. Er komponierte zu insgesamt 10 Karl-May-Filmen die Musik.



Nach dem überwältigenden Erfolg des Kino-Streifens war die Serie unvermeidlich, die in einer regelrechten Karl-May-Filmwelle des deutschen Kinos gipfelte, an der sich dann auch der Produzent Artur Brauner mit seiner Berliner CCC-Film beteiligte. Überwiegend wurden die Filme der 1960er-Jahre mit der damaligen jugoslawischen Filmfirma „Jadran-Film“ in Zagreb co-produziert und auch die meisten Drehorte wurden in Kroatien (damals Teil Jugoslawiens) gefunden. Nicht nur die dortigen Gebirgslandschaften mit den weißen Kalkfelsen und den kräftig-grünen Wiesen waren charakteristisch für die Serie, auch die eindrucksvollen Seenlandschaften boten ein ideales Terrain zur filmischen Umsetzung. Unter anderem drehte man in dem mittlerweile berühmten Nationalpark Plitvicer Seen in dem neben Wölfen auch noch wilde Braunbären beheimatet sind. Vielen Zuschauern ist der älteste Nationalpark Kroatiens und des ehemaligen Jugoslawien auch heute noch in erster Linie durch diese Filme bekannt.



Fast alle Romanvorlagen wurden nur in starker Bearbeitung im Film umgesetzt, teilweise wurden sogar nur die Namen von Charakteren für einen Film verwendet, ohne konkrete Romanvorlage. So war im Buch Der Schatz im Silbersee eigentlich Old Firehand der Hauptdarsteller, im Film war es Old Shatterhand. Die Filme Old Shatterhand (1964) und Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) basieren nicht auf Romanen oder Erzählungen von Karl May, die Handlung ist vollständig vom Drehbuchautor erfunden.



Nach dem Auslaufen der Kinoserie wurden auch einige Verfilmungen für das Fernsehen erstellt. Die Fernsehserien/-filme Das Buschgespenst und Kara Ben Nemsi Effendi sind dabei weitaus werkgetreuer umgesetzt worden.
Nach dem großen Erfolg der westdeutschen Karl-May-Filme entstanden in der DDR in den 60er-Jahren die ebenfalls erfolgreichen DEFA-Indianerfilme, die noch bis in die 1980er-Jahre produziert wurden.

 

Winnetou im Film :
• Der Schatz im Silbersee (1962) – Regie: Harald Reinl
• Winnetou 1. Teil (1963) – Regie: Harald Reinl
• Old Shatterhand (1964) – Regie: Hugo Fregonese
• Winnetou 2. Teil (1964) – Regie: Harald Reinl
• Unter Geiern (1964) – Regie: Alfred Vohrer
• Der Ölprinz (1965) – Regie: Harald Philipp
• Winnetou 3. Teil (1965) – Regie: Harald Reinl
• Old Surehand 1. Teil (1965) – Regie: Alfred Vohrer
• Winnetou und das Halbblut Apanatschi (1966) – Regie: Harald Philipp
• Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) – Regie: Alfred Vohrer
• Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten (1968) – Regie: Harald Reinl

 

 

Weitere Verfilmungen:
• Mein Freund Winnetou (1979) – Regie: Marcel Camus – TV-Serie mit 14 Episoden
• Die Spur führt zum Silbersee (1990) – Regie: Günter Rätz – Puppentrickfilm
• Winnetous Rückkehr (1998) – Regie: Marijan David Vajda – TV-Zweiteiler
• WinneToons – Die Legende vom Schatz im Silbersee (2007) – Regie: Gert Ludewig – Zeichentrick

 

Mein Freund Winnetou – Winnetou le Mescaléro
Deutsche Erstausstrahlung : 02. Mai 1980

Mein Freund Winnetou - TV Serie mit Pierre Brice

Erstausstrahlung 04. Juli 1980 (Frankreich) / 19. Dezember 1980 (Schweiz)

Mein Freund Winnetou (Winnetou le Mescaléro; My friend Winnetou) ist eine 14-teilige Fernsehserie des Westdeutschen Werbefernsehens (WWF, Köln) in Co-Produktion mit Antenne 2 (Paris) und der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG (Bern), die 1979 sehr frei nach Karl May entstand und 1980 im Vorabendprogramm der ARD ausgestrahlt wurde. Die Serie wurde in Frankreich und der Schweiz auch in sieben Teilen zu 60 Minuten gesendet.

Gedreht wurde vom 22. Januar 1979 bis zum 28. April 1979, dabei auch Außenaufnahmen auf Wunsch des Regisseurs Marcel Camus an „Originalschauplätzen“ in Mexico, unweit der Reservate der Apachen.
Die Musik zur Serie schrieb der deutsche Komponist Peter Thomas (gespielt unter seiner Leitung vom 1st German Symphony Pop Orchestra), der auch für den Karl-May-Film Winnetou und sein Freund Old Firehand die Musik verfasste.
Die Fernsehfolgen wurden von Europa auch als Hörspielserie auf Schallplatte und Compact Cassette veröffentlicht. Erzähler ist der Schauspieler Horst Frank.
1980 brachte der Verlag Flammarion einen großzügig ausgestatteten 160-seitigen Filmbildband heraus (Winnetou le Mescalero), der überwiegend Fotos enthielt, die die Gattin von Pierre Brice während der Dreharbeiten schoss (einige nicht verwendete Fotos erschienen dann in dem Buch Pierre – Wie ich Dich sehe, im Jahr 2005). Der Band war jedoch nur für den französischen Markt vorgesehen und wurde deshalb nur in französischer Sprache gedruckt und hat heute Seltenheitswert.



In die Handlung wurden gewisse historische Elemente mit eingebaut, unter anderem das Amt für indianische Angelegenheiten, das Verhältnis der Armee und der Eisenbahngesellschaften zu den Indianern und die sich dadurch ergebenden Konflikte. Aber auch Brauchtum und Kultur kommen nicht zu kurz. Die Serie hat fast semidokumentarischen Charakter. Für Interessierte durchaus sehenswert, kam die Serie allerdings bei der Masse der Fernsehzuschauer nicht an, gerade weil die Figur des Winnetou anders dargestellt wurde, als der Winnetou, der aus den Filmen bekannt war, in denen mehr die abenteuerliche Handlung und weniger die Historie eine Rolle spielte. Eine geplante Fortsetzung wurde aus diesem Grund nicht realisiert und es blieb bei den 14 Teilen.
Bei der Besetzung der Old-Shatterhand-Figur musste durch den frühen Tod von Lex Barker auf einen anderen Schauspieler zurückgegriffen werden. In der engeren Wahl waren neben Siegfried Rauch auch Raimund Harmstorf und Karl-Michael Vogler (der zuvor schon den Kara Ben Nemsi in einer eigenen Serie spielte). Der französische Regisseur entschied sich letztendlich für den Bayern Siegfried Rauch, dessen lockere Art ihn überzeugte.
Als unglücklich empfand man die Komponistenwahl, die der Hauptdarsteller Pierre Brice gerne wieder an Martin Böttcher übertragen hätte. Aber der Regisseur entschied sich für den Edgar-Wallace-Stammkomponisten Peter Thomas.
Bemerkenswert auch, dass der Hauptdarsteller Pierre Brice in Mexiko zur damaligen Zeit seinen 50. Geburtstag feierte, dessen Party unter Beteiligung einer mexikanischen Musikfolkloregruppe gefeiert wurde, die seine Schauspielerkollegen für ihn engagiert hatten.
Man konnte in alten Sets drehen, die eigens für Hollywood-Western-Produktionen, unter anderem für John Wayne, gebaut wurden. Hier traf Pierre Brice auch auf Burt Lancaster, mit dem er sich ausgiebig über seine Zeit in Italien unterhalten konnte.
Beim Schnitt im Studio in Deutschland nach dem Dreh bemerkte man, dass sich einige Szenen, die zu Beginn die Geschichte einleiten sollten, als unbrauchbar erwiesen. Da Pierre Brice zu dieser Zeit in Elspe im Sauerland den Winnetou auf der Freilichtbühne spielte, drehte man dort die Szenen einfach noch einmal nach. Durch die völlig andere Vegetation reitet Winnetou vom grünen Elsper Rübenkamp dann in den kargen mexikanischen Boden. Bei diesen nachgedrehten Szenen wirkte auch der Schauspieler und Stuntman Meinolf Pape mit, der zur Stammbesetzung des Ensembles in Elspe gehört und dort meist die indianischen Schurkenrollen verkörpert.
• Die Filmmusik der Serie wurde als Langspielplatte und auf Audio-Kassette veröffentlicht unter EUROPA 115 692.6
• Nach einer französischen Video- und einer holländischen DVD-Fassung ist die Serie 2007 auch auf Deutsch bei Koch Media erschienen.

 

Winnetous Rückkehr
Erscheinungsjahr 1998 / ZDF Zweites Deutsches Fernsehen

Winnetou Rückkehr ZDF 2 Teiler mit Pierre Brice - New KSM

Winnetous Rückkehr (1. und 2. Teil) ist eine zweiteilige Fernsehproduktion. Sie entstand in Anlehnung an die Bücher von Karl May im Jahr 1998 fürs ZDF mit Pierre Brice in der Titelrolle.
Der 1. Teil und der 2. Teil können auch als eigenständige Filme angeschaut werden, da der zweite Teil zwar auf dem ersten basiert, aber die Handlung so angelegt ist, dass man sie auch ohne den ersten Teil nachvollziehen kann.

 

Produktionsumstände

Der Film wurde in Südspanien produziert und kostete über 6 Millionen DM (knapp 3,1 Millionen Euro. In der Produktion spielten viele Darsteller aus dem Film Der mit dem Wolf tanzt mit. Winnetous Rückkehr endet mit der Bemerkung, dass Winnetou wiederkommen werde. Dies lässt die mögliche Produktion von weiteren Winnetou-Teilen offen, die bis jetzt jedoch noch nicht produziert wurden.

 

Sonstiges
Pierre Brice wurde in diesem Film, anders als in den vorherigen Winnetou-Filmen, nicht synchronisiert. Somit spricht Winnetou in diesem Film mit einem französischen Akzent. Die fehlende Synchronisation wurde einer der Hauptkritikpunkte an diesem Film. In der Winnetou-Parodie Der Schuh des Manitu wird erzählt, dass der Vater von Abahachi fließend französisch gesprochen habe und niemand hätte gewusst woher er dies konnte.
• Die Musik wurde im Gegensatz zu Mein Freund Winnetou wieder von Martin Böttcher komponiert.
• Zwischen der Produzentin Regina Ziegler und dem Karl-May-Verlag kam es wegen der Verwendung des Namens Winnetou im Filmtitel zu einem Rechtsstreit, bei dem sich die Produzentin letztlich durchsetzte.

Kritiken
„[...] Ganz tot war er nämlich nicht, sondern hatte sich nur als Öko-Aussteiger für ein paar Jahrzehnte der Einsiedelei hingegeben. Dort hat er wohl gegrübelt über das Drehbuch, [...] Egal! Winnetou hat schon ganz andere Probleme gemeistert: 1963 etwa, als "Winnetou II" gedreht werden sollte, hatte sich der schwarze Hengst Iltschi aus "Winnetou I" zwischenzeitlich in den Pferdehimmel verabschiedet. Als brauchbarer Ersatz stand nur ein Schimmel zur Verfügung. Den hat man dann eben ein bißchen schwarz angepinselt. Nach diesem Prinzip ist nun auch "Winnetous Rückkehr" entstanden, [...] - der ewige Winnetou eben. Bis ihm irgendwann der Ölprinz die letzte Salbung gibt. Hugh!“
– DER SPIEGEL-

 

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